Mannheim, den 20.05.2003
Liebe Freunde von Cultig7,
Mit unserer Ausstellung Sommer 2003 möchten wir Sie zu einem
Jubiläum einladen. Frau Arbogast und ich blicken nunmehr auf insgesammt
10 Ausstellungen unserer kleinen Galerie zurück, die wir in den letzten
zweieinhalb Jahren für Sie zusammengestellt haben. Wie Sie wissen,
folgen wir mit unseren Ausstellungen der Periodik der Jahreszeiten. Da
wir unsere Galerie allerdings im Nebenerwerb betreiben, sind vier Ausstellungen
pro Jahr ein stolzes Programm, das uns manchmal mehr als beschäftigt,
das aber mittlerweile zu einem festen und vorerst unverzichtbaren Bestandteil
unserer Lebensqualität geworden ist.
Mit unserer elften Ausstellung möchten wir unserem Publikum,
das gerade im letzten Jahr aufgrund einer Reihe von sehr erfolgreichen
Veranstaltungen stark angewachsen ist, die Gelegenheit geben, alle ‚unsere’
Künstler auf einen Blick präsentiert zu sehen.
Für mich als Galeristen wird dabei die retrospektive Zusammenstellung
aller bisherigen Ausstellungsthemen zu einem besonderen Prüfstein.
Die Sammelausstellung wird zeigen, wie vielseitig Cultig7 in den
letzten Jahren tatsächlich war. Ergibt sich aus den einzelnen, für
sich gesehen meist sehr sehenswerten Ausstellungen, auch bei der Zusammenschau
eine konkrete, wenn möglich positive Aussage über die Kreativität,
die Geschmackssicherheit, die Vielseitigkeit und den Stil unseres Hauses?
Werden sich daraus tiefergehende Erkenntnisse über den Spannungsbogen
unserer Interessen, die Tragfähigkeit unserer Unternehmung und das
Synergiepotential unserer Einzelaktivitäten ableiten lassen?
Oder einfacher ausgedrückt: Wird die Ausstellung Sommer 2003
möglicherweise nur ein Flickenteppich sein, ein zusammenhangloses
Nebeneinander von Einzelaktionen ohne Zündstoff für eine komplexere
Wirkungskette?
Die Künstler der letzten Jahre habe ich ausschließlich
nach meinem persönlichen Geschmack aus einer ständig zunehmenden
Zahl von ausstellungswilligen Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt.
Dabei habe ich versucht, mein stetig wachsendes, junges und vorsichtiges
Publikum immer wieder an neue Stile, Techniken und Bildthemen, vertreten
durch Künstler unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft,
heranzuführen.
Die ausgewählten Kunstobjekte mussten dabei immer ‚zumutbar’
sein, d.h. sie müssen Interesse wecken, ohne zu provozieren, Denkanstöße
geben, ohne zu beleidigen oder zu verletzen, Neugierde wecken, ohne den
Betrachter zu verlieren usw.
Am Ende muss diese Kunst natürlich auch verkaufbar sein an
Zeitgenossen mit Mut zum kreativen Geschmack. In unserer gedankenlosen
Konsumgesellschaft, die ich hier nicht zum ersten Male anprangere, sind
Marken und Moden zu sehr zu einem Korsett geworden, von dem wir uns allzu
oft einzwängen und fehlleiten lassen. Bei Cultig7 gibt es nur Unikate
und individuelle Objekte. Wer sich hier zum Kauf entscheidet, muss geschmacklich
Flagge zeigen und kann sich nicht hinter einem Markennamen oder einem Modetrend
verstecken.
Viele von Ihnen haben das im vergangenen Jahr getan und niemand
hat es bereut. Dafür möchte ich Ihnen danken. Nur auf diese Weise
kann Cultig7 auch weiterhin existieren, Künstler unterstützen
und seinen Kunden mehr Lebensfreude bringen.
Alle diese Botschaften, Wünsche und Hoffnungen soll die Ausstellung
Sommer 2003 unter dem Titel ‚Déjà vu’ widerspiegeln. Der
Titel der Ausstellung sollte also nicht profan mit ‚Alles schon mal gesehen’
übersetzt werden. Vielmehr geht es um den Aspekt der leichten Verunsicherung,
des nachdenklichen Innehaltens und Zurückdenkens, der uns beschleicht,
wenn sich in einer Alltagssituation ein sog. ‚Déjà Vu Effekt’
ereignet, bei dem wir uns zu einem einzelnen Bild unseres Erlebens plötzlich
die Frage stellen: ‚Hab ich das nicht schon mal irgendwann geträumt
oder gesehen?’
Was aus dieser Idee am Ende herauskommt, können Sie gemeinsam
mit uns am Sonntag, den 15. Juni diskutieren, wenn wir Sie ab
11.00 Uhr wieder gerne bei uns empfangen.
Zur Vollständigkeit hier noch einmal alle bisherigen Ausstellungen
auf einen Blick:
| W 2000 |
Die Welt des Roland Neuer |
Roland Neuer |
| F 2001 |
Fotografien und plastische Arbeiten |
Hermann Herold, Achim Gassert |
| S 2001 |
Reale und surreale Ansichten |
Andreas Pönisch |
| H 2001 |
Phaidra begegnet Achilles |
Manfred Garstka, Michael Lingrên |
| W 2002 |
Köpfe, Masken und Gesichter |
Petra Kaster, Hermann Herold |
| F 2002 |
Tbilisi - Bilder und Plastiken aus Georgien |
Ika Bugianishvili, Macho Datshvili |
| S 2002 |
Die Farbe Tropic |
Franz Galé |
| H 2002 |
Presse ächze, Säge heule |
Patrick Fauck, B. Hörold-Hoffmann |
| W 2002 |
Panorama |
U. Krappen, R. Stein, M.Zaeri, M. Orlob |
| F 2003 |
Kleine Nachtgeschichten |
Mehrdad |
Cultig7 wäre nicht Cultig7, wenn es bei Sommer 2003 nicht auch
etwas Neues zu sehen gäbe. Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen
bei dieser Gelegenheit natürlich auch einen neuen Künstler vorstellen.
Richard
Neckenauer ist Grafikdesigner und Maler, der neben der Malerei auch
mit Kollagen und Objekten experimentiert. Nach vielen Auslandsjahren lebt
er derzeit in Bensheim. Er hat einen wunderbar expressiven Malstil entwickelt,
der mich spontan begeistert hat. Aus diesem Grunde finden Sie unter den
zwölf (!) verschiedenen Motiven unserer Einladungskarten auch zwei
seiner Werke. Schauen Sie doch mal, was Ihr ‚Cultig7 Nachbar’ für
eine Einladung bekommen hat. Vielleicht wollen Sie beide Ihre Motive tauschen?
Nur in dieser elektronischen Version der Einladung können Sie
alle zwölf Motive der Einladungskarten auf einen Blick sehen.
Alles weitere am 15. Juni!
Wir freuen uns wie immer auf Sie, freuen Sie sich auf uns.
Rainer Uhle
Ute Arbogast
Geschäftsinhaber
Geschäftsführerin